Neustart statt Abstellgleis

Holger Metzler beschäftigt ältere Arbeitnehmer und ist deshalb ein „Unternehmer mit Weitblick“.


Sie verfügen über viel Erfahrung und beherrschen ihr Handwerk. Sie sind zuverlässig, überaus engagiert, sorgen für ein gutes Arbeitsklima und bereichern das Team. Wenn Holger Metzler von seinen älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spricht, dann zieht er zugleich eine Bilanz: „Wir profitieren als Unternehmen sehr von der Zusammenarbeit.“

Metzler leitet die CH. Metzler GmbH im rheinhessischen Ober-Olm. Der 37 Jahre alte Meister der Elektrotechnik hat das Unternehmen 2002 von seinem Vater übernommen. Metzler ist spezialisiert auf Elektroinstallation, Sanitär, Heizung und Bäckereitechnik. Es ist ein klassischer Handwerksbetrieb, seit zwei Generationen fest in Familienhand. Mittelstand in seiner besten, erfolgreichsten Form und fest verwurzelt in Rheinland-Pfalz: Das Servicegebiet reicht von Altenkirchen über Prüm bis nach Alzey und umfasst einen Radius von rund 180 Kilometern. Ein Aufgabenbereich, der nach jungen, flexiblen Mitarbeitern geradezu verlangt. Allerdings ist Metzlers Personalpolitik eher ungewöhnlich: Von seinen vierzehn Mitarbeitern sind sechs über 50 Jahre alt, darunter drei, die bereits ihren 60. Geburtstag gefeiert haben. Zwei dieser Beschäftigten waren ehemals Leistungsempfänger des Jobcenters in Mainz- Bingen. Metzler hat sie vor zwei Jahren sozialversicherungspflichtig eingestellt.

Dank der Mischung der Belegschaft, vom Azubi bis zum Senior, zählt die CH. Metzler GmbH seit dem Herbst 2013 zu den „Unternehmen mit Weitblick“. Eine Auszeichnung des „Beschäftigungspaktes Hand drauf ! West-Süd-West“ für Unternehmen, die auch auf die Erfahrung älterer Mitarbeiter setzen.

Wandel bedeutet für mich, dass wir uns alle mit mehr gegenseitiger Wertschätzung und Respekt begegnen. 

Holger Metzler

„Für uns“, sagt Metzler, „war es noch nie ein Kriterium, wie alt ein Mitarbeiter ist. Wir wollen offene Stellen kompetent besetzen und das ist durch den spürbar werdenden Fachkräftemangel so oder so schon schwierig genug.“

Natürlich verändere sich durch das Alter mentale und körperliche Fitness, so Metzler. Gerade in einem Handwerk, das auch den Körper intensiv fordert. Aber die Lebens- und Berufserfahrung, die die Älteren seines Teams besitzen, kompensiert für ihn scheinbare Schwächen voll und ganz. Durch speziell auf Alter und Einsatzgebiet abgestimmte Schulungen bringt er seine Techniker auf den neuesten Stand. „Unternehmen wie wir können Aufgaben und Personen exakt aufeinander anpassen und so profitieren beide Seiten von der Zusammenarbeit.“

Gegenseitige Wertschätzung ist ein Thema, das auf der Agenda des jungen Chefs ganz oben steht. „Gerade ältere Mitarbeiter, die in ihren 50ern den Job verloren haben und arbeitslos waren, kämpfen mit dem Verlust des Vertrauens in sich selbst und den Arbeitgeber. Sie fühlen sich ins Abseits gestellt und von der Gesellschaft verlassen. Meine Aufgabe ist es, allen Mitarbeitern das Gefühl zu vermitteln, dass sie verstanden werden. Dass auch Sicherheit da ist, wenn etwas schief geht. Dass man Fragen stellen, in Ruhe zuhören und auch Fehler machen kann. Und dass mein Ziel ist, sie beständig zu beschäftigen. Denn die Beständigkeit, die man gibt, bekommt man auch wieder zurück!“ |