Es bleibt viel zu tun

Alexander Schweitzer, Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, über seine Heimat Rheinland-Pfalz und ein Land im Wandel


Wurzeln

1 Herr Minister, Sie und Ihre Familie leben im Landkreis Südliche Weinstraße. Wie fühlt sich für Sie Heimat und Region an?

Heimat ist für mich vor allem das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Natürlich hat es viel mit den Menschen zu tun, die man liebt und mit der eigenen Geschichte. Auch wenn ich gerne in Mainz arbeite, mein Zuhause ist die Südpfalz.

2 Rheinland-Pfalz ist für Sie das Bundesland, das …

... bei seinen Bürgerinnen und Bürgern gut ankommt! Über 89 Prozent der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer sagen: „Ich lebe gerne hier.“ 95 Prozent sagen, sie seien mit ihrem Leben zufrieden. Die Menschen sind aufgeschlossen, setzen sich für andere ein. Über 40 Prozent der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer engagieren sich in einem Ehrenamt. Damit sind wir mit an der Spitze in Deutschland. Ich finde, diese Zahlen sagen viel über unser Land aus.

3 Wie definieren Sie Wandel?

Der Begriff Wandel ist für mich positiv besetzt. Wir haben heute die Möglichkeit, gemeinsam die Weichen für die Zukunft zu stellen und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass alle Menschen weiterhin in einem guten Miteinander gleichberechtigt und selbstbestimmt an unserer Gesellschaft teilhaben können.

Der Begriff Wandel ist für mich positiv besetzt. Wir haben heute die Möglichkeit, gemeinsam die Weichen für die Zukunft zu stellen. 

Alexander Schweitzer
40, seit dem 16. Januar 2013 Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz

Standpunkte

4 Diese Ausgabe der ISB aktuell stellt Menschen und Unternehmen vor, die aktiv Rheinland-Pfalz prägen und sich vielfältig engagieren. Wo und wie erleben Sie als Minister am stärksten diese Bereitschaft, das Land zu bewegen?

Ich bin sehr viel im Land unterwegs und treffe täglich engagierte und hoch motivierte Menschen. Bei den Unternehmensbesuchen im Rahmen meines Beschäftigungsdialoges letzten Sommer beispielsweise habe ich eine Vielzahl von Unternehmern kennengelernt, die ihren Betrieb mit Weitblick führen und offen sind für Neues, die erfolgreich sind und dennoch auch die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick haben. Diese Gespräche und Begegnungen waren für mich ein Beleg dafür, dass Unternehmerinnen und Unternehmer in Rheinland-Pfalz auch bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Eine weitere positive Erfahrung für mich war die erste landesweite Demografiewoche im Herbst 2013. Ministerpräsidentin Malu Dreyer und ich hatten zahlreiche Akteure der Gesellschaft – von Kommunen über die Kirchen, Vereine, Unternehmen und viele mehr – eingeladen teilzunehmen und ihre Idee von der Gestaltung des demografischen Wandels vorzustellen; egal ob große Ideen oder kleine. Was dann kam, hat mich tief beeindruckt: Über 200 Akteure haben 320 Veranstaltungen, Aktionen, Ausstellungen etc. innerhalb einer Woche in allen Regionen des Landes durchgeführt. Für mich hat die Demografiewoche gezeigt, dass das Bewusstsein für die gemeinsame Verantwortung, den demografischen Wandel zu gestalten, in Rheinland-Pfalz vorhanden ist.

5 Nicht nur die Demografie wandelt sich. Auch andere Bereiche unseres Lebens verändern sich stark. Wo sehen Sie die Kernpunkte?

Beim demografischen Wandel geht es nicht nur darum, dass die Älteren mehr und die Jungen weniger werden. Das wäre etwas zu kurz gegriffen. Viele ältere Menschen wollen auch nach ihrer beruflichen Tätigkeit weiterhin eine Aufgabe in der Gesellschaft übernehmen, sich einbringen, ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben. Umso wichtiger ist es, die ältere Generation, ihre Wünsche und ihre Fähigkeiten, einzubeziehen. Und auch die Jüngeren sind bereit viel zu leisten. Dies aber nicht nur in beruflicher Hinsicht. Immer mehr wollen sich nicht zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen. Sie wollen beides: beruflich erfolgreich sein und Zeit haben, um Kinder großzuziehen und als Familie zusammenzuwachsen. Darauf muss sich auch unsere Arbeitswelt einstellen. Die Branchen, denen es gelingen wird, beides zu verbinden, werden weniger Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden und zu halten.

6 Und wie begleiten Sie diesen Wandel?

Als Landesregierung führen wir unzählige Gespräche mit Partnerinnen und Partnern, um gemeinsam die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle Menschen in Rheinland-Pfalz hier auch in Zukunft gerne und gut mit ihren Familien leben und arbeiten können. Eines der Themen, das den Menschen besonders wichtig ist, ist die Sicherstellung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung – vor allem im ländlichen Raum. Dazu habe ich Anfang März unser Zukunftsprogramm „Gesundheit und Pflege – 2020“ der Öffentlichkeit vorgestellt – auch hier sind viele Partnerinnen und Partner mit im Boot. Gemeinsam erproben wir neue Wege und Strukturen, um beispielsweise junge Menschen zu motivieren, Hausarzt oder -ärztin im ländlichen Raum zu werden oder um sektorenübergreifend besser zusammenzuarbeiten mit dem Ziel, Menschen effizienter und bestmöglich zu versorgen.

Rheinland-Pfalz ist vielfältig, kreativ und lebt vom Miteinander und vom großen Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger. 

Alexander Schweitzer
40, seit dem 16. Januar 2013 Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz

Ausblick

7 Welches Ihrer Aufgabenfelder wird die Zukunft unseres Landes entscheidend definieren und was bedeutet das für Ihr politisches Handeln?

Der demografische Wandel hat Auswirkungen auf alle Bereiche unseres Lebens. Ich sehe meine Verantwortung unter anderem darin, gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern innovative Lösungen zu finden und umzusetzen; ob im Bereich Gesundheit und Pflege, der Fachkräftesicherung oder bei den neuen Wohnformen. Wir sind dran an diesen und weiteren Themen. Es bleibt viel zu tun, nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene. Die Landesregierung wird sich wie gewohnt für die Interessen der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer in Berlin einsetzen und konstruktive Vorschläge machen.

8 Das größte Potenzial unseres Bundeslandes?

Rheinland-Pfalz ist vielfältig, kreativ und lebt vom Miteinander und vom großen Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger.

9 Was haben Sie in den nächsten fünf Jahren erreicht?

Ich wünsche mir, dass ich in fünf Jahren sagen kann: Ich habe erfolgreich meinen Teil dazu beigetragen, dass die Menschen in Rheinland-Pfalz weiterhin gerne hier leben und sie zuversichtlich in die Zukunft schauen. |